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Ist im Bett bleiben der ultimative Akt der Selbstbestimmung?

Abstrakte Darstellung eines Bettes mit weichen weißen Laken im Kontrast zu einer dunklen und lauten Nachrichtenwelt im Hintergrund. In der Mitte der Laken ruht ein einzelner kleiner schwarzer Würfel.
Manchmal ist der Rückzug die lauteste Entscheidung für die eigene Autonomie.

Manchmal ist die Welt einfach zu laut. Die ständigen Meldungen über Krisen, Inflation und Konflikte fühlen sich oft an wie in einem surrealen Film und ein tiefer Weltschmerz drückt schwer auf die Schultern. In solchen Momenten kommt mir ein ganz bestimmter Song in den Sinn. Er stammt von Morrissey und trägt den treffenden Titel Spent The Day in Bed. Das Lied erschien im Jahr 2017 als Vorbote für sein elftes Studioalbum. Beim genauen Zuhören habe ich festgestellt, dass dieser Text eigentlich eine perfekte Anleitung zur radikalen Selbstbestimmung ist.

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Wie entkommen wir dem Sog der ständigen Nachrichten?

Morrissey singt in diesem Lied eine sehr klare Aufforderung. Er rät uns dringend, die Nachrichten abzuschalten, weil sie nur darauf ausgelegt sind, uns Angst zu machen und uns klein zu halten. Mir persönlich gelingt es leider nicht immer, komplett von den News wegzubleiben. Mich interessiert das Weltgeschehen durchaus. Aber ich kann die Nachrichten oft nicht gut trennen und sehe dann nur noch das Negative.

In der Psychologie gibt es für dieses Phänomen mittlerweile einen festen Begriff. Man nennt es Doomscrolling. Es beschreibt den zwanghaften Konsum negativer Nachrichten. Unser Gehirn ist evolutionär darauf programmiert, Gefahren und schlechten Nachrichten mehr Aufmerksamkeit zu schenken als positiven Dingen. Das sicherte früher unser Überleben. Heute versetzt diese ständige Flut an Katastrophen unser Nervensystem jedoch in einen dauerhaften Alarmzustand. Der Körper schüttet permanent Stresshormone wie Cortisol aus. Das bewusste Abschalten der Nachrichten ist also kein ignorantes Wegschauen. Es ist eine biologische Notwendigkeit zum Schutz der eigenen Psyche.

Ist das Bett eine Resignation oder eine Festung?

Im Refrain feiert der Song das einfache Liegenbleiben. Für viele Menschen, die fest in gesellschaftlichen Normen verankert sind, klingt das nach reiner Faulheit oder vollkommener Resignation. Für mich bedeutet es heute exakt das Gegenteil. Es ist die konsequenteste Form der Grenzziehung.

Wenn man jahrelang nur für andere funktioniert hat, dann ist ein bewusst im Bett verbrachter Tag eine enorme Befreiung. Es ist die praktische Umsetzung des Rechts auf eine geschlossene Tür. Schlafmediziner und Therapeuten betonen immer wieder, wie wichtig absolute Ruhephasen sind, um Reize zu verarbeiten und den Überlebensmodus abzustellen. Im Bett zu bleiben bedeutet in diesem Kontext, die fremdbestimmte Regie bewusst abzulehnen.

Sind wir anderen Menschen überhaupt etwas schuldig?

Der für mich krasseste Satz im gesamten Lied lautet „Life ends in death“. Das Leben endet im Tod. Diese Aussage ist so unglaublich simpel, aber sie besitzt eine gewaltige Aussagekraft. Genau diese Zeile bringt die gesamte Thematik der Alltagsbilanz auf den Punkt.

Wir sind niemandem etwas schuldig. Wir müssen uns für unsere Entscheidungen, unsere Ruhepausen oder unsere Grenzen nicht endlos rechtfertigen. Der Versuch, stets allen Erwartungen gerecht zu werden und sich für andere aufzuopfern, ist diese Energie gar nicht wert. Niemand kommt am Ende und dankt uns für die totale Erschöpfung.

Wir müssen selbst gut zu uns sein. Dieser Song erinnert mich daran, dass wir aufhören müssen, unsere wertvollen Ressourcen zu verbrennen. Manchmal ist der absolut wichtigste und gesündeste Schritt des gesamten Tages, ihn einfach im Bett zu verbringen. Es ist eine laute Entscheidung für die eigene Autonomie.

Low in High School auf Vinyl

Das dazugehörige Album von Morrissey. Eine Schallplatte zwingt uns zur Entschleunigung. Man muss sich bewusst Zeit nehmen, die Platte auflegen und zuhören, anstatt sich von endlosen digitalen Playlisten berieseln zu lassen.

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